• Viktoria Jedlicka

Rückruf hunderttausender Gurgeltests – Was steckt dahinter?

Auch wenn die Covid-19-Pandemie im Sommer vergessen scheint, beweisen die aktuellen Infektionszahlen das Gegenteil. Die Pandemie ist noch nicht zu Ende und Covid-Tests, insbesondere die weit verbreiteten Gurgeltests, werden weiterhin ein unverzichtbarer Bestandteil unseres Lebens sein. Vor ein paar Tagen zierte jedoch folgende Schlagzeile diverse österreichische Medien „Rückruf von hunderttausenden Gurgeltests“ und wirft folgende Fragen auf: Warum wurden die Gurgeltests zurückgerufen? Wann werden andere Produkte zurückgerufen?


Was versteht man unter einem Produktrückruf?

Von einem Produktrückruf spricht man, wenn Unternehmen Endverbraucherinnen auffordern, ein von ihnen vertriebenes, bereits geliefertes Produkt zur Reparatur, zum Austausch oder zur Vernichtung zurückzugeben.


Warum wurden die Gurgeltests zurückgerufen?

Das Unternehmen Lead Horizon ruft 600.000 seiner „Alles gurgelt“-PCR-Tests zurück. Betroffen von dem Rückruf sind jene Probennummern, die mit der Buchstabenkombination „LHR“ beginnen. Bei den betroffenen Tests ist eine Auswertung aufgrund eines Fehlers bei der Verpackung zum Teil nicht möglich, da die Probennummern auf der Gebrauchsanweisung und dem Probenröhrchen nicht übereinstimmen. Eine Lead Horizon-Sprecherin bestätigte den Rückruf, ein gesundheitliches Risiko bestehe jedoch nicht. PCR-Gurgeltests der betroffenen Charge können bis zum 30. September in jeder BIPA-Filiale zurückgegeben werden. Durch die Rückgabe der betroffenen Tests kommt es zu keiner Reduktion der fünf kostenlosen Tests pro Monat.


Unter welchen Voraussetzungen muss der Rückruf eines Produktes eingeleitet werden?

Wenn sich Produkte als gefährlich erweisen, sind Unternehmen aufgrund des sogenannten Produktsicherheitsgesetzes verpflichtet, geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um Verbraucherinnen vor den jeweiligen Gefahren zu schützen. Gehen von einem Produkt Gefahren aus, die mit anderen Mitteln nicht abgewendet werden können, ist ein Rückruf erforderlich. Allerdings kommt es nicht nur bei hohem Risiko zu einem Rückruf, sondern auch bei einem geringeren Risiko – insbesondere dann, wenn viele Personen (sowie im Fall der Gurgeltests) potenziell betroffen sind. Wer entscheidet, ob es zu einem Rückruf kommt? In der Regel die Unternehmen, die die betroffenen Produkte vertreiben. Geschieht dies nicht, müssen die Behörden einen Rückruf anordnen.


Wie erfährt die Öffentlichkeit von einem Rückruf?

Wird ein Produkt zurückgerufen, sollten die Betroffenen möglichst direkt informiert werden. Im Onlinehandel oder bei sonst registrierten Kundinnen (z.B. bei Kraftfahrzeugen) ist ein persönliches Anschreiben der geeignetste Weg.


Betrifft ein Rückruf hauptsächlich Stammkunden eines Geschäftes, ist ein deutlich sichtbarer Aushang im Verkaufslokal sinnvoll. Bei spezialisierten Produkten sind Inserate in Fachmagazinen empfehlenswert.


Für den Fall, dass all diese Optionen der Betroffeneninformation nicht möglich sind, ist die Öffentlichkeit über die Massenmedien zu informieren, wie dies beim Rückruf der Gurgeltests von statten ging. Durch eine Veröffentlichung in einem Massenmedium kann sichergestellt werden, dass der Rückruf einen Großteil der österreichischen Bevölkerung erreicht. Liegt ein Extremfall vor, also bei „unmittelbarer, massiver Gefahr für Leib und Leben“, ist auch über Radio und Fernsehen zu informieren. Eine Information sollte auch auf der Website des betroffenen Unternehmens veröffentlicht werden.


Welche Behörden sind zu von einem Rückruf zu informieren?

Rückrufmeldungen für Non-Food-Produkte, also z.B. Drogerieprodukte, können an das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz gerichtet werden. Häufig wird eine Veröffentlichung des Rückrufes im Produktsicherheitsportal der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit veranlasst. Freiwillige Rückrufe hat das Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz an das Europäische Informationssystem für gefährliche Produkte (RAPEX) zu melden, sofern ein „ernstes Risiko“ vorliegt. Die Europäische Kommission leitet die Meldungen an die Behörden aller Mitgliedstaaten weiter und veröffentlicht diese auch auf ihrer Website. Es gibt mehr als 2000 Meldungen pro Jahr, was die Bedeutung der Produktrückrufe widerspiegelt.


Kurz gesagt:

  • Das Unternehmen Lead Horizon ruft 600.000 seiner „Alles gurgelt“-PCR-Tests aufgrund eines Verpackungsfehlers zurück, da die Probennummer auf der Gebrauchsanweisung und dem Probenröhrchen teilweise nicht übereinstimmen.

  • Wenn sich Produkte als gefährlich erweisen, sind Unternehmen aufgrund des Produktsicherheitsgesetzes verpflichtet, geeignete Maßnahmen, wie den Rückruf eines Produktes, zu ergreifen, um Verbraucherinnen vor den jeweiligen Gefahren zu schützen.

  • Die Öffentlichkeit ist über einen Produktrückruf in geeigneter Weise zu informieren. Liegt ein Extremfall vor, also bei „unmittelbarer, massiver Gefahr für Leib und Leben“, ist auch über Radio und Fernsehen zu informieren.